Der erste Sommer sieht bei allen gleich gut aus. Der Unterschied zeigt sich im zweiten – nach einem Winter, ein paar Frostnächten und dem Regen dazwischen. Wer wissen will, welches Material das übersteht, stößt schnell auf ein Problem, das kaum jemand ausspricht: Die Norm für Gartenmöbel sagt dazu nichts. Deshalb fangen wir genau damit an. Die Möbel selbst stehen in unserer Garten-&-Terrasse-Welt, vom 17,90-€-Beistelltisch aus Akazie bis zum 979-€-Diningset aus Aluminium.
1. Die Norm, die genau hier aufhört
Für Gartenmöbel gilt die Reihe DIN EN 581 – „Außenmöbel – Sitzmöbel und Tische für den Camping-, Wohn- und Objektbereich". Teil 1 (2017-07) regelt die allgemeinen Sicherheitsanforderungen, Teil 2 (2017-01) Standsicherheit, Festigkeit und Dauerhaltbarkeit von Sitzmöbeln, Teil 3 (2017-04) die Tische. Ausgelegt ist das Ganze auf Personen bis 110 kg.
Und jetzt der Satz, um den es geht: Teil 2 schließt die Witterungsalterung ausdrücklich aus. Die Norm prüft, ob ein Stuhl unter Last hält und ob er kippt. Sie prüft nicht, wie er nach zwei Wintern aussieht. Ein Gartenstuhl kann also vollständig normkonform sein und trotzdem im dritten Jahr auseinanderfallen – das ist kein Widerspruch, das ist der Geltungsbereich.
Die drei Einsatzbereiche im Titel – Camping, häuslich, Objekt – sind reine Belastungsstufen, kein Witterungsnachweis. Und ein Hinweis für alle, die Datenblätter lesen: Es kursieren Angaben zu Ausgaben „2026" der Teile 2 und 3. Das sind Norm-Entwürfe. Gültig veröffentlicht sind weiterhin die Fassungen von 2017.
2. „Akazie" sind zwei völlig verschiedene Hölzer
Das ist der wichtigste Punkt dieses Artikels, und er kostet im Zweifel Jahre. Unter dem Handelsnamen „Akazie" laufen zwei Hölzer, die nach DIN EN 350:2016-12 in ganz unterschiedliche Dauerhaftigkeitsklassen fallen:
| Holz | Dauerhaftigkeitsklasse | Was das heißt |
|---|---|---|
| Robinie (Robinia pseudoacacia, „falsche Akazie", heimisch) | 1–2, adultes Kernholz sogar Klasse 1 | Eines der dauerhaftesten Hölzer Europas. Aber: junges Kernholz aus den ersten Jahrringen fällt auf Klasse 4 zurück. |
| Tropische Akazie (Acacia mangium, Plantagenholz) | 2–4, ausdrücklich nicht für Erdkontakt | Das typische „Akazienholz" im Möbelhandel. Deutlich weniger dauerhaft als Robinie – und nicht austauschbar mit ihr. |
| Teak | 1, Plantagenteak 1–3 | Die pauschale Handelsangabe „Teak = Klasse 1" stimmt bei Plantagenware oft nicht. |
| Kiefer, Fichte, Tanne (Kernholz) | 3–4 (Quellen schwanken) | Die günstigen Bänke. Halten – aber nur mit Pflege und trocken überwintert. |
Zwei Ergänzungen, die man kennen sollte. Erstens: Splintholz ist bei allen Arten Klasse 5, also nicht dauerhaft – bei einem Möbel sieht man das nicht, es steckt in der Qualität des Einschnitts. Zweitens: Die Klassen sind eine relative Einstufung, keine Haltbarkeitsgarantie. In EN 350 und EN 335 stehen überhaupt keine Jahreszahlen. Die kursierenden Werte stammen vom Deutschen Holzschutzverband und gelten für Erdkontakt: Klasse 1 rund 13 Jahre, Klasse 2 acht bis 13, Klasse 3 fünf bis acht, Klasse 4 drei bis fünf. Gartenmöbel stehen nicht im Erdkontakt, sondern in Gebrauchsklasse 3 nach DIN EN 335 – bewittert, aber ohne Bodenkontakt. Dort liegen die Werte höher, und genau dafür gibt es keine belastbaren Zahlen.
Was Quellen uneinheitlich angeben: Kiefer wird mal als Klasse 4, mal als 3–4 geführt. Robinie erscheint mal pauschal als 1–2, mal differenziert nach adultem und juvenilem Kernholz. Und viele Händler zitieren noch die zurückgezogene EN 350-2 von 1994. Wenn ein Datenblatt eine Klasse nennt, ist das trotzdem mehr, als die meisten liefern.
3. Vergrauung ist kein Mangel – Risse sind eine offene Frage
Unbehandeltes Holz wird draußen grau. Der Grund ist chemisch: UV-Licht baut das Lignin ab, Regen wäscht es aus, und die freiliegende Zellulose wirkt silbrig. Darunter siedeln sich auf Schmutz Bläue- und Schwärzepilze an. Es steckt nichts Schadhaftes dahinter – die Vergrauung ist eine Oberflächenerscheinung, kein Substanzverlust. Wer sie nicht mag, ölt; wer sie mag, lässt es.
Zum Ölintervall gibt es keine Norm und keine Verbandszahl. Die einzige seriöse Quelle, die wir gefunden haben, ist Öko-Test (05/2023) mit der Empfehlung, zu Beginn jeder Gartensaison zu behandeln – also einmal jährlich. Alles andere, was im Netz zu Intervallen steht, ist Herstellerangabe.
Und eine ehrliche Lücke: Es wird oft behauptet, Risse und Farbunterschiede in Massivholz seien laut Verbandsregelwerk kein Reklamationsgrund. Eine solche Aussage haben wir für Gartenmöbel nicht gefunden. Das Möbel-Gütezeichen RAL-GZ 430 nimmt Außenmöbel zwar vom Normklima aus, regelt Naturmerkmale aber nicht. Wir schreiben es deshalb nicht als Regel, sondern als das, was es ist: Risse durch Trocknung sind bei Massivholz üblich, ob sie im Einzelfall ein Mangel sind, entscheidet die Ausprägung.
4. Polyrattan: was belegbar ist – und was Marketing
Belegbar ist wenig, und das sollte man wissen. Polyrattan wird üblicherweise aus Polyethylen als Flachband oder Rundgeflecht hergestellt, meist über ein Aluminiumgestell. Die Alterung lässt sich nach ISO 4892 prüfen, mit Farbänderung nach Graumaßstab – nur belegen das sehr wenige Hersteller mit standardisierten Tests. Für die gängigen Verkaufsargumente „PE ist besser als PVC" und „Hohlfaser schlägt Flachband" haben wir keine unabhängige Quelle gefunden. Das heißt nicht, dass es falsch ist – es heißt, dass es unbelegt ist.
Was dagegen hart geregelt ist, sind Schadstoffe. Die GS-Spezifikation AfPS GS 2019:01 PAK ist seit dem 1. Juli 2020 verbindlich für GS-Zertifikate und prüft 15 polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Für Benzo[a]pyren gilt bei Produkten mit Hautkontakt über 30 Sekunden – also bei jeder Sitzfläche – ein Grenzwert von unter 0,5 mg/kg. Bei den Summenwerten weichen die Fassungen voneinander ab, deshalb nennen wir hier nur den Einzelwert. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat 2022 öffentlich kritisiert, dass die Anpassung stockt, und fordert 0,2 mg/kg auch für diese Kategorie – technisch machbar sei das längst.
Dass das kein theoretisches Thema ist: Öko-Test fand 2014 in einer Untersuchung von 17 Gartenmöbeln PAK, Phthalat-Weichmacher, Dibutylzinn und Biozide; drei Produkte fielen mit „ungenügend" durch, neun waren „sehr gut". Ein GS-Zeichen auf einem Polyrattan-Möbel ist damit das aussagekräftigste Merkmal, das du bekommen kannst – aussagekräftiger als jede Faserbeschreibung.
5. Aluminium: zwei Details entscheiden
Aluminium rostet nicht – das ist der halbe Grund, warum es draußen steht. Zwei Dinge können trotzdem schiefgehen:
- Kontaktkorrosion. Verbindet man Aluminium leitend mit Edelstahl und kommt Feuchtigkeit dazu, wird das unedlere Aluminium angegriffen. Kritisch wird es bei ungünstigem Flächenverhältnis. Bei Gartenmöbeln mit Edelstahlschrauben in Alu-Profilen ist die Konstellation meist harmlos, aber Isolierscheiben und intakte Beschichtung sind der Grund dafür – nicht Zufall.
- Die Beschichtung. „Pulverbeschichtet" ist kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Verfahren. Eine deutsche Pflichtnorm dafür gibt es nicht; aussagekräftig sind die Gütezeichen QUALICOAT und GSB International, die unter anderem Salzsprühnebel-, Kondenswasser- und Haftungsprüfungen sowie eine zweijährige Freibewitterung verlangen. Für salzhaltige Luft – also an der Küste – gibt es QUALICOAT SEASIDE. Wenn im Datenblatt eines dieser Zeichen steht, ist das mehr wert als drei Absätze Werbetext.
Ein Nachteil, den Öko-Test nüchtern benennt: Aluminium ist vergleichsweise weich. Beim Reinigen mit scheuernden Mitteln bekommt man Kratzer – und jeder Kratzer ist eine Stelle, an der die Beschichtung nicht mehr schützt.
6. Die drei Materialien nebeneinander – mit Preisen aus unserer Welt
| Material | Stärke | Schwäche | bei uns |
|---|---|---|---|
| Polyrattan | Leicht, formbar, günstig im Set; unempfindlich gegen Nässe. | UV-Beständigkeit selten belegt; Schadstoffe nur über GS-Zeichen ausschließbar; Geflecht reparierst du nicht. | Bistro-Set ab 99 €, Lounge-Sets 239–419 €, große Sets bis 949 € |
| Akazie / Massivholz | Angenehme Haptik, günstig, reparabel: abschleifen und ölen geht. | Braucht Pflege; die Holzart hinter dem Namen ist oft unklar; Splintanteil sieht man nicht. | Gartenstuhl 69,90 €, Bänke 69,90–129 €, Liegen ab 59,90 €, Klapptisch ab 17,90 € |
| Aluminium | Rostet nicht, leicht zu tragen, wartungsarm über Jahre. | Weich, empfindlich gegen Scheuermittel; Beschichtungsqualität ohne Gütezeichen nicht prüfbar. | 3-tlg. Set 199 €, Klappstuhl-Paar 109 €, große Lounges 699–979 € |
Ein Detail am Rande, das für den Materialmix spricht: Mehrere der großen Sets kombinieren ein Aluminiumgestell mit Teakholz-Tischplatte – die tragende Struktur rostfrei, die Fläche aus einem der dauerhaftesten Hölzer. Und wer über die Beschattung nachdenkt, bevor er sich für die Sitzgruppe entscheidet, findet die Kriterien dafür in unserem Ratgeber Markise: offen, Halbkassette oder Vollkassette?.
7. Überwintern – der Teil, der über den zweiten Sommer entscheidet
Belegbar ist die einfache Empfehlung: abgedeckt oder geschützt lagern, in Schuppen, Gartenhaus, Keller oder Garage (Öko-Test 05/2023). Physikalisch dahinter steht die Gebrauchsklasse 3 nach EN 335 – bewittert, aber ohne Erdkontakt – und die Faustregel, dass Holzschäden entstehen, wenn die Holzfeuchte dauerhaft über etwa 20 % liegt.
Zur beliebten Schutzhaube müssen wir passen: Dass eine dichte Abdeckung durch Kondenswasser mehr schadet als nützt, klingt plausibel und wird überall behauptet – eine Verbands-, Behörden- oder Normquelle dafür haben wir nicht gefunden. Alle Fundstellen sind Händler-Ratgeber. Unsere Einschätzung, ausdrücklich als solche: Eine Haube, die unten offen ist und Luft zirkulieren lässt, ist die sicherere Wahl als eine, die dicht abschließt. Trocken einlagern schlägt beides.
Wofür du dein Geld nicht ausgeben solltest
Spar es dir, wenn: du Massivholz kaufst und weißt, dass du nicht ölst – dann ist Aluminium ehrlicher, auch wenn Holz schöner ist. Wenn du das größte Loungeset für den kleinsten Balkon nimmt – 14-teilig klingt gut, aber die Aufstellfläche ist danach weg. Und wenn dich ausschließlich der Preis lenkt: Die günstigste Bank in unserer Welt ist aus Tanne (49,90 €) und damit in einer deutlich schwächeren Dauerhaftigkeitsklasse als die Akazienbänke ab 69,90 €. Zwanzig Euro Unterschied, ein paar Jahre Unterschied.
Und die Erwartung an Testurteile solltest du herunterschrauben: Die Stiftung Warentest hat keinen aktuellen Gartenmöbel-Test – der einzige Treffer zum Thema ist eine Meldung von 2002. Der letzte echte Test kam 2014 von Öko-Test. Aktuell und relevant fürs Nachbarthema ist dagegen der Sonnenschirm-Test 7/2026: Bei 6 von 11 Bezügen fanden die Prüfer hohe PFAS-Gehalte, nur ein Schirm bekam „gut".
Kurze Fragen, kurze Antworten
Woran erkenne ich, welche „Akazie" ich kaufe?
An der botanischen Bezeichnung im Datenblatt – Robinia pseudoacacia oder Acacia mangium. Steht sie nicht da, ist es im Möbelhandel meist die tropische Plantagen-Akazie. Ein zweiter Anhaltspunkt ist die Herkunft: Robinie kommt aus Europa, Mangium aus Südostasien.
Bringt FSC oder PEFC etwas für die Haltbarkeit?
Nein – und das ist wichtig. Beide Siegel zertifizieren die Waldbewirtschaftung und die Lieferkette, nicht Produktqualität, Schadstofffreiheit oder Haltbarkeit. Sie sind ein Umwelt-, kein Qualitätsmerkmal. In unserer Garten-Welt trägt genau ein Artikel die Angabe im Titel, ein Klapptisch für 17,90 €. Ab dem 30. Dezember 2026 greift zusätzlich die EU-Entwaldungsverordnung für größere Unternehmen, für Kleinunternehmen ab Mitte 2027 – das verschiebt die Nachweispflicht in die Lieferkette.
Kann ich Polyrattan im Winter draußen lassen?
Das Geflecht selbst verträgt Nässe deutlich besser als Holz. Die Schwachstellen sind die Kissen (rein damit ins Trockene) und das Gestell. Und ein Punkt, der gern vergessen wird: Kälte macht Kunststoff spröde – ein festgefrorenes, dann bewegtes Geflecht bricht eher als eines, das im Sommer bewegt wird.
Gilt das alles auch für Stühle im Esszimmer?
Nein, drinnen greift eine andere Normenreihe – DIN EN 12520 statt EN 581 – und mit ihr andere Prüfwerte und ein aktuelles Schadstoffthema. Das steht in unserem Ratgeber Viererset oder vier Einzelstühle.
Stand: 05.08.2026. Preise und Verfügbarkeit ändern sich – aktuelle Preise findest du in der verlinkten Themenwelt; es gilt immer der Preis im Shop. Dieser Artikel ist eine allgemeine Kaufberatung und ersetzt keine individuelle Beratung.
Woher die Angaben stammen: DIN EN 581-1:2017-07, -2:2017-01 und -3:2017-04 (Außenmöbel; die kursierenden Ausgaben „2026" sind Norm-Entwürfe) · DIN EN 350:2016-12 (Dauerhaftigkeit von Holz; die oft zitierte EN 350-2:1994 ist zurückgezogen) · DIN EN 335 (Gebrauchsklassen) · Nutzungsdauer-Werte nach Angaben des Deutschen Holzschutzverbands, nicht aus der Norm · AfPS GS 2019:01 PAK (BAuA) · Bundesinstitut für Risikobewertung zu den PAK-Höchstgehalten (2022) · ISO 4892 (künstliche Bewitterung) · Gütezeichen QUALICOAT und GSB International (Pulverbeschichtung) · Öko-Test 05/2023 (Pflege) und Öko-Test 2014 (17 Gartenmöbel) · Stiftung Warentest, Sonnenschirme 7/2026 · FSC Deutschland zum Vergleich FSC und PEFC · EU-Kommission zum Geltungsbeginn der EUDR. Wo eine Angabe unbelegt ist oder Quellen sich widersprechen, steht es im Text.