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★ ehrlich statt Hype

Markise: offen, Halbkassette oder Vollkassette?

Dealo sitzt am liebsten im Schatten – und der ist kleiner, als man denkt ☀️

Von Torben & Lina · Stand: August 2026 · Lesezeit ca. 7 Minuten

Zwischen der günstigsten und der teuersten Markise in unserer Garten-&-Terrasse-Welt liegen rund 540 Euro – und die Größe erklärt davon nichts: Die günstigste und die teuerste Markise haben dasselbe Grundmaß, 250 × 200 cm. Die eine ist offen und kostet 279 Euro, die andere ist eine Halbkassette für 819. Dieser Ratgeber erklärt die Bauarten, dazu die eine Zahl, die in keinem Prospekt steht, und drei Dinge, die man vorher wissen sollte, weil sie sich hinterher nicht mehr ändern lassen.

Dealo sagt: „Eine Markise ist ein Sonnenschutz. Kein Dach, kein Regenschirm und kein Sturmsegel. Wer sie so behandelt, hat lange Freude daran – und wer sie einmal bei Böen draußen lässt, unter Umständen nur einen Nachmittag.“

Die Bauarten in je einem Satz

Und jetzt der Punkt, der überrascht: Die Bauart bestimmt den Preis nicht so eindeutig, wie man denkt. Bei uns steht eine Vollkassette mit Funkmotor in 350 × 250 cm für 729 € – und daneben eine Halbkassette in 250 × 200 cm für 819 €. Innerhalb einer Modellreihe zieht die Größe: Dieselbe offene Markise kostet in 250 × 200 cm 279 € und in 400 × 300 cm 659 €. Zwischen den Modellreihen zieht etwas, das auf keinem Etikett steht: Zwei offene Markisen mit demselben Maß 250 × 200 cm stehen bei 279 und 619 €. Die Kassette zieht am wenigsten. Vergleiche also nie nur das Wort auf dem Etikett.

Die Zahl, die in keinem Prospekt steht

„Ausfall 2,50 m“ klingt nach zweieinhalb Metern Schatten. Ist es aber nicht – weil die Sonne schräg steht. Die Faustwerte aus der Branche:

Ausfall (Ausladung)Was davon tatsächlich Schatten ist
2,50 metwa 1 m
3,50 metwa 2 bis 2,50 m
4,00 metwa 3 m

Das ist der häufigste Grund für Enttäuschung nach dem Kauf – und der stärkste Grund, beim Ausfall nicht zu sparen. Zweite Regel: Bei Standard-Gelenkarmen ist der Ausfall nie größer als die Breite, faustformelhaft etwa Breite minus 50 cm. Eine 250 cm breite Markise fährt also maximal rund 200 cm aus. Plane zusätzlich mindestens 20 cm Überstand je Seite über die Fläche hinaus, die beschattet werden soll.

Zur Höhe: Mindestens 2,50 m Montagehöhe werden aus Sicherheitsgründen empfohlen (Quetsch- und Scherstellen an den Armen). Vorn wird es niedriger, weil die Markise geneigt ist – bei 3 m Ausfall und 15° Neigung verlierst du rund 78 cm. Rechne die Durchgangshöhe an der Vorderkante lieber einmal aus, bevor du dir jeden Abend den Kopf stößt.

Windwiderstandsklasse – und warum du früher einfahren musst, als sie sagt

Nach DIN EN 13561 werden Markisen in Windwiderstandsklassen eingeteilt. Maßgeblich ist dabei ein Staudruck in Newton pro Quadratmeter; die Windstärke ist daraus abgeleitet:

KlasseNenndruckentspricht etwa
0unter 40 N/m²keine Angabe – darf bei Wind gar nicht ausgefahren werden
140 N/m²bis ca. 28 km/h · Windstärke 4
270 N/m²bis ca. 38 km/h · Windstärke 5
3110 N/m²bis ca. 48 km/h · Windstärke 6

Ehrlicher Hinweis: Die Zuordnung zu Beaufort-Werten wird von Herstellern uneinheitlich kommuniziert – manche Datenblätter ordnen denselben Klassen eine Stufe mehr zu. Wir haben oben die Version genommen, die sich aus dem Nenndruck rechnerisch ergibt.

Und jetzt das Wichtigste: Die Einfahr-Empfehlung liegt unter dem Klassenwert, nicht darauf. Der Bundesverband Rollladen + Sonnenschutz nennt in seiner Technischen Richtlinie „Windeinflüsse“ (Ausgabe April 2024, vormals TR 106) für Gelenkarmmarkisen der Klasse 1 7 m/s (rund 25 km/h) und für Klasse 2 10 m/s (rund 36 km/h) als Grenze zum Einfahren. Wer wartet, bis der Klassenwert erreicht ist, ist bereits zu spät.

Zwei Einschränkungen, die selten jemand dazusagt: Die Klasse gilt nur bei normgerechter Montage – „die tatsächlich erreichte Windgeschwindigkeit hängt von Art und Anzahl der Befestigungsmittel sowie vom Untergrund ab“. Und die Klassenangabe ist eine Herstellerangabe zur Produktleistung, keine bauaufsichtliche Zulassung.

Das Tuch: wo die Farbe sitzt, entscheidet über zehn Jahre

Der wichtigste Unterschied ist unsichtbar. Bei Polyacryl, dem Standardmaterial, werden die Pigmente schon bei der Faserherstellung eingelagert – spinndüsengefärbt heißt das. Die Farbe sitzt also in der Faser. Bei Polyester steckt der UV-Schutz in der Regel in einer Oberflächenbehandlung, und die kann abwittern; Polyester ist dafür günstiger, elastischer und wickelt bei großen Breiten besser. Typisches Flächengewicht bei Acryltüchern: 290 bis 330 g/m².

Dauerregen ist kein Anwendungsfall. Die ITRS-Richtlinie formuliert es vorsichtig: Markisentücher sind wetterfest und schmutzabweisend imprägniert, aber nicht absolut wasserdicht. Ein kurzer, leichter Schauer geht – bei einer Mindestneigung von 14°, das entspricht 25 % Gefälle. Bildet sich ein Wassersack, muss der vor dem Einfahren weg, sonst reißt es die Konstruktion.

Was laut Branchenregelwerk kein Mangel ist

Das spart Ärger und einen unnötigen Reklamationsbrief. Der Sonnenschutzverband ITRS führt ausdrücklich als produkttypisch auf:

Der Sonnenschutzverband ITRS ordnet solche Erscheinungen als normal ein; für die Tücher heißt es dort, sie beeinträchtigten weder Wert noch Lebensdauer noch Gebrauchstauglichkeit. Das ist die Sicht des Verbands und nicht automatisch die Rechtslage: Ob ein Mangel vorliegt, entscheidet der Vergleich mit der vereinbarten und der üblichen Beschaffenheit – beim Kauf nach § 434 BGB, beim Fachbetrieb, der auch montiert, in der Regel nach § 633 BGB. Ein echter Nutzungsfehler sind Stockflecken – die entstehen, wenn ein nasses Tuch eingerollt auf der Welle trocknet. Nass eingefahren? Bei nächster Gelegenheit wieder ausfahren und trocknen lassen.

Kurbel oder Motor – eine Entscheidung, die du nur einmal triffst

Beim Komfort ist das Geschmackssache. Bei der Sicherheit nicht: Wind- und Sonnenwächter funktionieren nur mit elektrischem Antrieb. Eine Kurbelmarkise lässt sich nicht mit einer Windautomatik nachrüsten – wer heute die Kurbel wählt, wählt dauerhaft eine Markise, die nur einfährt, wenn jemand zu Hause ist.

Preislich ist die Lücke kleiner als gedacht: Rohrmotoren liegen im Fachhandel etwa zwischen 43 € (30 Nm) und 100 € (80 Nm mit Nothandkurbel), Funk-Wind- und Sonnenwächter bei rund 55 bis 100 €. Zwei Grenzen bleiben: Der Motor muss zur Tuchwelle passen (SW60/SW70/SW78 und Adapter), und den Netzanschluss macht eine Elektrofachkraft.

Ein Windwächter ersetzt übrigens nicht das Einfahren vor einem angekündigten Gewitter – auch im Automatikbetrieb ist eine Beschädigung bei Böen nicht ausgeschlossen.

Montage: hier wird gespart, und hier wird es teuer

Das Gewicht ist nicht das Problem – rund 15 kg pro Meter Breite, bei großen Modellen bis 80 kg. Der Hebel ist das Problem: Montageanleitungen nennen Auszugskräfte bis über 3.000 Newton je Befestigungspunkt, also gut 300 kg Zug. Deshalb:

Darf ich das überhaupt?

Baugenehmigung: In mehreren Landesbauordnungen sind Markisen ausdrücklich verfahrensfrei – Nordrhein-Westfalen nennt sie in § 62 BauO NRW namentlich, Bayern in Art. 57 BayBO – beide allerdings als Beispiel für unbedeutende Anlagen, eine große Terrassenmarkise ist damit nicht automatisch mitgemeint. Verfahrensfrei heißt außerdem nicht rechtsfrei: Abstandsflächen, Standsicherheit sowie Denkmalschutz- und Gestaltungssatzungen gelten weiter. Weil die Bauordnungen Landesrecht sind, lohnt im Zweifel der Blick in die eigene.

Zur Miete: Das Landgericht Berlin hat 2023 entschieden (Az. 64 S 322/20), dass ein Mieter Anspruch auf Gestattung einer Markise hat – Sonnenschutz auf dem Balkon gehört zum vertragsgemäßen Wohngebrauch. Das ist ein Berufungsurteil eines Landgerichts, keine höchstrichterliche Klärung; andere Gerichte haben anders entschieden, und es kommt auf den Einzelfall an. Der Vermieter darf die Erlaubnis an Bedingungen knüpfen: fachgerechte Montage, Haftpflichtversicherung, Sicherheitsleistung für den Rückbau. Den Anspruch muss man geltend machen – einfach bohren ist auch dann falsch, wenn man Recht hätte.

In der Eigentümergemeinschaft: Eine Markise an der Fassade ist bauliche Veränderung des Gemeinschaftseigentums. Der Bundesgerichtshof hat 2023 klargestellt (Az. V ZR 140/22): Es braucht immer einen vorherigen Gestattungsbeschluss – und zwar unabhängig davon, ob irgendjemand beeinträchtigt wird. Ein bloßer Anspruch genügt nicht.

Für wen sich eine Markise nicht lohnt

Wenn eure Terrasse nach Norden liegt, ist das Problem nicht die Sonne, sondern Regen und Wind – dafür ist eine Markise das falsche Werkzeug. Wenn ihr in einer Ecklage mit häufigen Böen wohnt, wird die Markise mehr eingefahren als genutzt. Und wenn niemand tagsüber zu Hause ist, braucht ihr zwingend den Motor mit Windwächter – eine günstige Kurbelmarkise ist dann keine Ersparnis, sondern ein Risiko.

Und ein Irrtum, der Sonnenbrände verursacht: „UPF 80“ beschreibt nur, wie viel UV-Strahlung durch das Tuch geht. Es sagt nichts darüber, wie viel unter der Markise ankommt – der weitaus größere Teil kommt seitlich vom offenen Himmel und über Reflexionen von Boden und heller Fassade. Das Bundesamt für Strahlenschutz beziffert die Minderung im Schatten eines Sonnenschirms auf bis zu 30 %, unter einem Baum mit dichter, großflächiger Krone auf etwa 20 %. Im Markisenschatten braucht ihr weiter Sonnencreme.

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Was die Preisstufen bei uns unterscheiden

PreisWas du bekommstFür wen
279 €Die einzige offene Gelenkarmmarkise dieser Preislage, 250 × 200 cm; per Knopf bis 400 × 300 cm, dann aber 659 €.Balkon oder kleine Terrasse, geschützte Lage, jemand ist tagsüber da.
459–659 €Fallarm fürs Fenster, zwei Halbkassetten – und eine offene Markise, die teurer ist als die günstigere von beiden.Der Normalfall: geschütztes Tuch zum Preis einer besseren offenen Markise.
729–819 €Die einzige Vollkassette mit Funkmotor (350 × 250 cm), eine Halbkassette in 250 × 200 cm, die per Knopf bis 500 × 300 cm reicht und dann 1.169 € kostet, und eine offene Markise mit Kurbel.Größere Terrasse, freie Lage – dann aber mit Motor und Windwächter, nicht mit Kurbel.

Kurze Fragen, kurze Antworten

Welche Neigung ist richtig?

Einstellbar sind meist 5 bis 45°, praxisüblich sind rund 15°. Steiler heißt: besserer Wasserablauf und mehr Schutz gegen tiefstehende Sonne. Flacher heißt: mehr Durchgangshöhe, aber schlechterer Ablauf. Unter 14° gilt die Markise nicht mehr als regenableitend.

Kann ich die Markise selbst anbringen?

An einer Massivwand mit zwei kräftigen Helfern: ja, wenn du sauber ausmisst und lotrecht bohrst. An einem gedämmten Haus: nein. Dort entscheidet nicht die Bohrmaschine, sondern das Befestigungssystem – und ein Fehler zeigt sich als Riss im Putz oder als feuchte Dämmung.

Was ist mit dem Volant, dem Stoffstreifen vorn?

Der bringt gegen tiefstehende Abendsonne mehr als jede UPF-Stufe, weil er die seitliche Einstrahlung nimmt. Bei Markisen ohne Volant tut es später eine Senkrechtbeschattung – aber daran denkt vor dem Kauf niemand.

Wie lange hält so eine Markise?

Dazu gibt es keine belastbare Norm- oder Verbandsangabe; wir haben keine Quelle gefunden, die eine Lebensdauer in Jahren belegt. Was sich sagen lässt: Ein geschütztes Tuch altert langsamer als ein frei liegendes, und eine Böe bei ausgefahrener Markise kann das Gestell auf einen Schlag unbrauchbar machen, während sich Verschleiß über Jahre ankündigt.

Stand: August 2026. Preise und Verfügbarkeit ändern sich – aktuelle Preise findest du in der verlinkten Themenwelt; es gilt immer der Preis im Shop. Dieser Artikel ist eine allgemeine Kaufberatung und ersetzt keine individuelle handwerkliche oder rechtliche Beratung.

Woher die Angaben stammen: DIN EN 13561 (Windwiderstandsklassen) · Technische Richtlinie „Windeinflüsse“ (vormals TR 106) des Bundesverbands Rollladen + Sonnenschutz, Ausgabe April 2024 (Einsatzempfehlungen Windlasten) · ITRS-Richtlinie „Beurteilung der Produkteigenschaften von Markisen“ und ITRS-Verbraucherinformation zu Markisentüchern · § 62 BauO NRW, Art. 57 BayBO · LG Berlin, Urteil vom 13.03.2023, Az. 64 S 322/20 · BGH, Urteil vom 17.03.2023, Az. V ZR 140/22 · Bundesamt für Strahlenschutz zu UV-Schutz und UPF. Bauart- und Montageangaben nach BauNetz Wissen; Motor- und Sensorpreise nach Abrufpreisen im Fachhandel.

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